Für viele ist sie das goldene Kalb der Karriere: die Führungsposition. Endlich oben angekommen, endlich gestalten statt nur ausführen. Doch so reizvoll der Titel „Führungskraft“ klingt – nicht jeder ist automatisch gut darin, Teams zu führen und nicht jeder blüht in dieser Rolle auf. Was bedeutet gute Führung wirklich – und warum hat sie so viel mit Selbstreflexion und Ehrlichkeit zu tun?
Führung von Teams beginnt nicht mit Methoden, sondern mit Persönlichkeit
In diesem Blog liefern wir keine Checkliste für souveränes Auftreten im Meeting und auch keine Top-10-Tricks für bessere Mitarbeitergespräche. Stattdessen geht es um die Basis, auf der jede Methode, jedes Verhalten aufbaut: die Persönlichkeit der Führungskraft.
Wie schon Gregory Bateson und Robert Dilts betonten: Verhalten ist nie losgelöst vom Menschen dahinter. Eine Person mit eher egozentrischer Ausprägung wird sich schwerer tun, echte Empathie zu zeigen – und eine unsichere Persönlichkeit wird kaum die Sicherheit ausstrahlen, die ein Team in turbulenten Zeiten braucht.
Aber: Das heißt nicht, dass nur ein bestimmter Persönlichkeitstyp „führungsfähig“ ist – auch, wenn so mancher Führungstest dies suggeriert. Führung ist kein Club für Extrovertierte mit Coach-Ausbildung. Vielmehr geht es darum, sich selbst gut zu kennen – die eigenen Stärken, Grenzen und blinden Flecken.
Führungsstärke ist keine Heldenpose
Viele Vorstellungen von „starker Führung“ sind bis heute durchzogen von Mythen: niemals zögern, immer klare Ansagen machen, auf jedes Problem eine Antwort haben – selbst wenn’s nur eine gut verkleidete Ahnung ist. Schwäche? Bitte gut verstecken, vielleicht sogar vor sich selbst.
Das Problem: Diese „Stärke“ ist oft nichts weiter als eine Show. Und eine verdammt anstrengende noch dazu.
Echte Stärke in der Führung zeigt sich nicht im Pokerface – sondern darin, sich selbst ehrlich ins Gesicht zu schauen. Wer sich mit den eigenen Unsicherheiten auseinandersetzt, kann besser einschätzen, wann ein Verhalten aus der Hüfte kommt – und wann es Überwindung braucht. Das ermöglicht bewusste Entscheidungen statt automatischer Muster.
Wir entscheiden mehr unterbewusst, als uns lieb ist
Führungskräfte entscheiden ständig – und viel davon läuft unbewusst ab: auf Basis persönlicher Werte, emotionaler Reaktionen oder der guten alten Selbstüberschätzung. Wer kennt sie nicht, die Klassiker:
- „Das habe ich doch eindeutig gesagt!“ (Hat man vielleicht nicht.)
- „Dieser Kollege ist einfach etwas schwierig.“ (Oder war die eigene Kommunikation unklar?)
- „Diesen Konflikt muss das Team selbst lösen.“ (Oder drückt man sich gerade vor Verantwortung?)
Diese verzerrten Wahrnehmungen entstehen oft nicht einmal aus Bosheit, sondern sind in der menschlichen Psychologie begründet. Doch sie sabotieren gute Führung – wenn man sie nicht erkennt.
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Authentizität statt Allwissenheitswahn
Doch wie durchbrechen wir diesen Teufelskreis? Das geht nur so: Schluss mit dem Mythos der unfehlbaren Führungskraft. Stattdessen: mehr Menschlichkeit wagen.
Eine Führungskraft, die offen über eigene Grenzen spricht – und gleichzeitig zeigt, wie Aufgaben trotzdem gut gelöst werden können (zum Beispiel durch kluge Teamverteilung) – wirkt nicht inkompetent. Sie wirkt greifbar, ehrlich und reflektiert.
Das schafft Vertrauen. Aber Achtung: Offenheit muss dosiert werden. Wer in einem Umfeld arbeitet, das bisher stark hierarchisch oder misstrauisch war, sollte vorsichtig dosieren, wie viel Ehrlichkeit das System verträgt. Mut zur Echtheit ja – aber mit Feingefühl.
Vertrauen ist keine nette Geste – sondern ein Produktivitätsmotor
Wenn Offenheit gelingt, entsteht ein neues Miteinander: Mitarbeitende trauen sich, Herausforderungen offen anzusprechen. Probleme werden früher erkannt, Lösungen gemeinsam gefunden. Feedback wird regelmäßiger und entspannter – weil es kein Angriff ist, sondern Teil der Zusammenarbeit.
Das reduziert Druck auf beiden Seiten. Und weniger Druck heißt: mehr Energie für das Wesentliche. Wer keine Rolle spielen muss, braucht keine Show aufrechtzuerhalten.
Gute Teamführung ist kein Kostüm, das man sich überwirft
Gute Führung beginnt mit der ehrlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Sie wächst durch Reflexion, Offenheit und den Mut, Schwächen nicht zu verstecken, sondern professionell mit ihnen umzugehen.
Nur wer sich selbst kennt, kann andere gut führen. Und nur wer nicht dauernd gegen sich selbst arbeitet, hat genug Kraft, andere zu inspirieren.
Oder, um’s auf den Punkt zu bringen: Eine starke Führungskraft muss nicht stark wirken – sie darf einfach echt sein.
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Markus Ried, CONOUT


